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Badische Zeitung. Dienstag, 14. Januar 2003
„Überall Rollen gespielt.“
BZ Interview mit der Autorin Merry Joy Boyanne
LITTENWEILER. Boyan Behrmann wurde als Achtjährige von ihren Eltern nach
Südafrika geschickt, um der Familie die Einwanderung zu erleichtern. Nach
dieser Erfahrung völlig entwurzelt, lebte sie nacheinander in England, Senegal
und Argentinien. Inzwischen ist sie in Freiburg zur Ruhe gekommen und hat unter
dem Pseudonym Merry Joy Boyanne ihre Erinnerungen aufgeschrieben.
BZ-Mitarbeiterin sprach mit ihr darüber.
BZ: Was hat sie dazu bewogen, ein Buch über ihre Geschichte zu
schreiben?
Boyan: Es war mir ein Bedürfnis, das alles herauszuschreien.
Jahrelang hatte ich geschwiegen und mich fremd bestimmen lassen, ich wollte
endlich den Mund auf machen.
BZ: Wer hatte über ihr Leben bestimmt?
Boyanne: Begonnen hat es mit meinen Eltern, die mich als kleines
Mädchen unwissend in einen Zug gesetzt und weggeschickt haben. Ich war ein
Brückenkopf in einem fremden Land. Als ich wieder zu ihnen kam, hatten meine
Eltern ein schlechtes Gewissen und schickten mich weiter in die Schule nach
England. Später folgte ich meinem Mann nach Argentinien und lebte dort
für ihn und meine vier Kinder.
BZ: Wie sind Sie aus dieser Fremdbestimmung schließlich
ausgebrochen?
Boyan: Ich habe gelernt, selbstbewusst zu sein, jemand zu sein, habe
mich von meinem Mann getrennt und bin nach Deutschland gezogen. Dort musste
ich erst einmal meine Identität kennen lernen. Wenn man sich in anderen
Ländern einleben will, muss man seine Identität aufgeben. Wie eine
Schauspielerin habe ich in jedem Land meine Rolle gespielt.
BZ: Haben Sie jetzt in Freiburg einen Ort gefunden, an dem Sie sich zu
Hause fühlen?
Boyan: Ich bin nicht in Freiburg verwurzelt, aber ich habe gelernt,
in mir selbst verwurzelt zu sein. Ich fühle mich wohl hier.
Merry Joy Boyanne liest am heutigen Dienstag um 20.15 Uhr im Schloss Ebnet
aus ihrem Buch “Maria, das Mädchen im Zug”, erschienen bei
Merch Movie Edition, 270 Seiten, 17 Euro.
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